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Manfred Hinrich

(*1926), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller

Autorenporträt von Manfred Hinrich

1926 in Berliner Luft hineingeboren, exakt auf den Tag 63 Jahre vorm Mauerfall, aufgewachsen im Berliner Vorort Woltersdorf. Die Ärztin will etwas für meine zu lang und zu dünn geratenen Gliedmaßen tun und schickt mich während der großen Ferien zu einem dicken Bauern.

Beim Kühehüten am Ende der Welt halte ich den vierbeinigen Freunden interessante Vorträge. Die Freunde sind interessiert, ich ziehe meinen Bleistiftstummel aus der Hosentasche und halte die wichtigsten Tierweisheiten in Merksätzen fest, auf Tonscherben, die am Rand der Weide herumliegen. Eine lebenslange Gewohnheit Aphorismen zu schreiben, die ich Scherben nenne, beginnt.

Erhalten sind welche in Aufzeichnungen aus der Zeit mit dem Weltkrieg im Mittelpunkt, viel zu viele unreife Sekundengedanken. Erst 1996 schreib ich die Scherben auf, an die ich mich erinnere und notiere von nun an Erlebnisse, anschließend ihre Verarbeitung in aphoristischen Reflexionen. So entstehen mit Ausnahme von 1998 Jahresbändchen, Titel: Tagesspiegelscherben. Ab Januar 2002 lass ich die konkreten Erlebnisse weg und ordne die Reflexionen alphabetisch, Titel: Scherben.

Zwischen Tonscherben damals und Internetscherben heute nichts als Turbulenz, von den Woltersdorfer Lehrern aufs Gymnasium nach Berlin geschickt, nach einem glücklichen Schuljahr gegen meinen Protest nach Gartz/Oder in die Lehrerbildungsanstalt, LBA, für mich LBK, Lehrerbildungskaserne. Hunger, Hunger und nochmals Hunger, der Untersuchungsstabsarzt kann keine Verhungernden verwenden und beordert mich ins fette Pommerland, wo mich die Bauernjungs der LBK Treptow/Rega füttern.

Gestellungsbefehle, die Reihen lichten sich, der Rest zieht weiter östlich nach Köslin um. Januar 1945 muss ich noch weiter östlich zum Arbeitsdienst. Die Front rückt näher, Gepäckmarsch nach Stettin, die Füße bluten in zu engen Schuhen. Bauern, die nicht flüchten, geben mir Holzpantoffeln, ich klotze der Kolonne hinterher, Bahnfahrt zur Wehrmachtskaserne Delmenhorst bei Bremen, gleich weiter an den Rauchschwaden Dresdens vorbei ins Böhmische und weiter, Verluste durch Tiefflieger, zwei Wochen amerikanische Hungergefangenschaft, LKW-Fahrt nach Bremen zu Onkel Gerd, anderthalb Jahre glücklicher Bauernknecht, ordentlich was in die Knochen.

Ich soll unbedingt bleiben, schreibt die Mutter, die Verwandten füttern. Mach ich. Bruder Günter kommt. "Du schwimmst hier im Fett und unsere Mutter ist grün im Gesicht, weil sie ihr Essen weggibt. Deine Schwester ist ein Strich." - Nach Woltersdorf, nach Woltersdorf, nach Woltersdorf!

Ein paar Tage Lehrerkursus in Wiesenburg/Belzig, glücklicher Dorfschulmeister im Kreis Lübben. Vater träumt vom Siedeln im Oderbruch, also Lehrer bei Lebus, in Letschin und Ortwig. Liebe zur frommen Elisabeth, Predigerschule Paulinum Berlin, Dogmatik, Dogmatik und nochmals Dogmatik.

Kirchenaustritt, Russischlehrerkursus in Neuzelle, während des Studiums dort Russischlehrer, anschließend in Forst/Lausitz, erste Ehe, erster Sohn Roland, Ehescheidung, vielleicht nicht nötig, Studium der Musikwissenschaft in Berlin, zweite Ehe, zweiter Sohn Olaf, die sehr junge Frau stirbt, weil sich keine künstliche Niere auftreiben lässt. Journalist in Berlin, Kinderlieder, Kinderbücher, Geld wie Heu, verbreitet Nachbarin Helga, ich kann forschen, die Berliner Uni lehnt das Ergebnis ab, weil ich ein Seitensprung Martin Heideggers sein muss. Halle nimmt mich mit Halleluja an, ein dritter Sohn Sven, zwischenehelich, dritte Ehe in Klingenthal/Sachsen, im Schock über einen Betrug Gehirninfarkt, Tod der Frau durch Herzinfarkt. Ich soll leben und Scherben suchen für www.aphorismen.de und www.gesagtes.net, mach ich.

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letzte Änderung: 04.10.2012