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Anke Maggauer-Kirsche

(*1948), deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin und ehemalige Betagtenbetreuerin in der Schweiz

Autorenporträt von Anke Maggauer-Kirsche

Ich kam 1948 im Westerwald auf die Erde, wuchs in Miltenberg, Unterfranken auf, war ein wildes Mädchen (schwamm nachts über den Main, kletterte auf Dächer …), wurde Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft, kam 1971 wegen einer inzwischen erloschenen Liebe in die Schweiz, wo ich bis heute hängen blieb. In Luzern arbeite ich als Pflegefachfrau in einem Pflegeheim der Barmherzigen Brüder, trage aber nicht den Titel einer Barmherzigen Schwester. Ich wohne im Vorort Kriens an einem Ort, an dem die Welt sich trifft. Jeden Tag kommen u. a. im Durchschnitt 26 Chinesen, 35 Inder, 67 Japaner, 320 Deutsche und 5677 Schweizer an meiner Wohnung vorbei, um mit der 120 Meter entfernten Luftseilbahn auf den Pilatus zu fahren. Freudig stelle ich am Abend jeweils fest, dass unser Hausberg wieder einen Millimeter höher wird, wenn die fremde Last von ihm weggenommen ist.
Da im Augenblick die Bahn Feierabend hat, muss ich nicht mehr zum Fenster raus schauen und die Touristen zählen. So habe ich Zeit, einige Fragen zu beantworten.

Seit wann schreiben Sie und wie sind Sie dazu gekommen?
Nach einer schweren Krise war ich vor 15 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Der Therapeut las mir Gedichte in seiner flämischen Muttersprache vor – und auf dem Heimweg schrieb ich auf das Bus-Ticket mein erstes Gedicht. Es folgten unzählige weitere – wenn kein Papier zuhanden war auf Servietten oder anderen beschreibbaren Unterlagen.
Die Gedichte zeigte ich meinem Freund, der Aphorismen schreibt. Es fiel ihm auf, dass immer mehr nur zwei Zeilen umfassten. Er klärte mich auf: „Dies sind keine Gedichte, sondern Aphos!“ Seither führe ich eine doppelte Sammlung.
Wenn ich nicht schreiben könnte, würde ich vielleicht krank. Sicher ist: Ich brauche es. Und es braucht wohl auch mich …

Wo oder wie kommen die Ideen?
Oft kommen Sie „einfach so“, manchmal wegen äusseren Einflüssen: was ich sehe, höre, spüre, rieche, schmecke.
Oft drängt es mich zu neuen Wortkreationen, weil ich gern mit Worten spiele, sie ändere, verdrehe, neu zusammensetze. Manchmal suche ich verzweifelt nach einem Ausdruck. Manchmal suchen die Ausdrücke mich ungefragt heim. Der Aphorismus erwischt mich …


Gibt es bestimmte Rituale beim Schreiben?
Ich brauche Stille. Wenn ich sie nicht habe, schalte ich ab: Wenn ich einen Schreibstift in der Hand habe, zum Beispiel mitten im Essen, weiss meine Umgebung: Wir müssen still sein. Sonst können wir was erleben. Na nu, so schlimm ist es nicht. Aber wie es ein Freund sagte: „Wenn wir dich in solchen Situationen nicht in Ruhe lassen, betrügen wir die Welt um ein tolles Gedicht oder einen ebensolchen Apho. Und wer wollte so was verantworten?“

Wie reagieren Sie auf Reaktionen, die Sie auf ihre Aphorismen und Gedichte erhalten?
Es ist seltsam: Noch heute bin ich sehr überrascht, wenn jemand sich mit dem befasst, was ich geschrieben habe. Es wundert mich immer wieder von neuem, dass man so was lesenswert finden kann. Es passiert mir auch öfters, dass ich mich beim Anblick eines gedruckten Textes frage: „War ich das wirklich, die dies geschrieben hat?“

Welches ist Ihr Lieblingsautor oder Ihr Vorbild?
Wie soll ich das wissen? Ich lese so viel. Meine Freunde haben mich schon oft ausgelacht, wenn sie sehen, dass ich in einen dreiwöchigen Urlaub über ein Dutzend nicht gerade dünne Bücher mitschleppe – und kurz nach der Halbzeit mich nach neuem Lesestoff umschaue.
Mein erster Lieblingsautor war Karl May. Als ich in unserer Küche vom Tod Winnetous las, vergoss ich Tränen. Kürzlich habe ich darüber einen Artikel geschrieben mit dem Titel: „Winnetou starb auf dem Küchentisch.“

Wie viele Bücher haben Sie bisher veröffentlicht?
„geborgen in dir“. Kanisius Verlag 1996. Eine Kleinschrift in einem christlichen Verlag, der inzwischen eingegangen ist. Ich hoffe, nicht meinetwegen!
ganz schön Rot geworden. Aphorismen Mit Zeichnungen von Anna Cholinska. Brunner Verlag, Kriens 1998. Das Im Wegwarte Verlag Bolligen bei Bern zusammen mit Walter Ludin die beiden Aphorismen-Geschenkbücher: „Pfeilspitzen“ und „Sticheleien“. Mit Cartoons von Sepp Rausser (2004 beziehungsweise 2007). (www.wegwarte.ch)
Zahlreiche Gedichte in der Eine-Welt-Zeitschrift ite und im Franziskuskalender der Schweizer Kapuziner.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Lesen, lesen! Ohne Bücher, ohne Worte könnte ich nicht sein. Und schreiben? Früher träumte ich davon, ein dickes Buch zu schreiben. Aber ich habe die Ambitionen aufgegeben. Ich hätte nicht die Geduld dazu. Aber es reicht sicher für Gedichte und Aphos, mit denen ich Wesentliches ausdrücken darf.

Welche ist Ihr Lieblings-Aphorismus?
Ach du, liebe Güte! Nein, dieser ist’s nicht. Vielleicht aber: Ein bisschen Übergewicht täte unserer Seele gut.

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letzte Änderung: 04.10.2012