Petra Golke

(*1959), Hartz-IV-Bezieherin Foto: Petra Golke

Das Ereignis, an welches ich mich nicht mehr erinnern kann, aber dennoch stattgefunden hat liegt, über ein halbes Jahrhundert zurück - es war der 3. Freitag im Monat Mai des Jahres 1959. Für die einen ein freudig schmerzhaftes Ereignis und für die wichtigste Person dieses Tages, der Beginn des sozialen Lebens in Erfurt - mein Geburtstag.
Im gleichen Atemzug folgt bei einigen bereits der Todestag, aber da ich diesen noch nicht kenne, lasse ich das Datum offen und überlasse es anderen, diesen zur gegebenen Zeit hinzuzufügen.
Schon als Kind war mein bevorzugtes Hobby das Denken und mit meiner ständigen Fragerei nach dem "Warum" trieb ich so manchen zur Weißglut und mich zum Wissen. In erster Linie interessierten mich die Menschen. Warum tun sie dies und jenes und - wieso - aus welchem Grund. Analytisches Denken, eine Welt voller Spannung und Entwicklung, mit Möglichkeiten, die ein Spiel aus psychologischen Fäden und Ketten ist. Mit meiner Art des Denkens wurde ich mehr und weniger zur Außenseiterin, denn ich wurde selten richtig verstanden und von daher blieb mir nur die eine Option - andere Verstehen zu lernen.
Als Reflexion meiner Gedankwelt begann ich zu Schreiben, denn mein Teddybär war zwar ein guter Zuhörer, aber er konnte meinem Anspruch nach Verbalität nicht mehr gerecht werden. Papier konnte dies und somit begann zwischen dem 10. und 12. Lebenjahr meine verbale Selbstständigkeit.
Es lag nahe, das ich einen Beruf wählt, in dem ich psychologisch Einfluß nehmen konnte und auch pädagogisch gefordert war - früher nannte man diese Berufsgruppe Kellner - später etablierte sich der Begriff: Restaurantfachfrau.
Wie viele andere ebenfalls, versuchte ich mich auch in anderen Zweigen des Handel- und Dienstleistungsgewerbes.
Mit der Wende im Jahre 1989 zerbrachen alle Träume und Pläne und es begannen Jahrzehnte gefüllt mit Umschulungen, Maßnahmen ect - mit anderen Worten, es gibt wohl kaum noch etwas, in dem ich Nachhilfe benötige.
Doch eines gab es nie - Vollzeitarbeit, die meinem Mindestanspruch an mir selbst gerecht wurde, denn letztendlich diene ich nicht der Arbeit, diese sollte mir dienlich sein.
Seit 2009 lebe ich in Duisburg, ich wollte nicht nur das Leben auf der "anderen Seite" kennenlernen, sondern............das überlasse ich Eurer Fantasy, denn jeder schützt das, was er am meisten liebt.
Inzwischen bin ich ein "altes Relikt" im arbeitsuchenden Sektor, im Wissen ich bin zu alt für den Arbeitsmarkt und zu durchschauend für potenzielle Arbeitgeber.
HartzIV ist keine Alternative, es ist die Hölle in der man nur einen Verbündeten hat - das Denken verbunden mit dem letzten Ziel, sich nie mit sich selbst zufrieden zu geben.

Der Magen lässt sich füllen, das Gehirn wird nie satt.

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