Gedicht zum Thema: Abschied, Wiedersehen

Grabschrift

Wir alle sollen's lesen
im schweigenden Gestein –
du bist treu gewesen
mögen auch wir es sein.

Wo wir dich recht erfassen,
sehen wir das Licht;
wir wollen dich nicht lassen,
du verläßt uns nicht.

Wenn diese Stunde vergangen
wenden wir fort den Schritt,
doch, soweit unsere Schritte langen,
gehst du lebend mit.

Dein Leben war Vertrauen,
dein Wirken war dein Ruh'n,
Lieben, Schützen und Bauen –
mögen auch wir das tun.

Es sind der Pfade viele –
wer zeigt den rechten Steg?
Noch gehen wir zum Ziele,
wir geh'n auf deinem Weg.

Im Kampf mit der Welt Gewalten
gibt es nicht Furcht noch Ruh,
wenn wir Treue halten, sind wir treu wie du.

Wohin wir immer gehen.

Henry von Heiseler

(1875 - 1928), deutsch-russischer Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer von Puschkin, Leskow und Yeats