Gedicht zum Thema: Himmel

Ich wollt, daß ich daheime wär

Ich wollt, daß ich daheime wär
Und aller Weite Trost entbehr.

Ich mein daheim im Himmelreich,
Da ich Gott schaue ewig gleich.

Wohlauf, mein Seel, und richt dich dar,
Da wartet dein der Engel Schar.

Wenn alle Welt ist dir zu klein,
Du kommest denn eh wieder heim.

Daheim ist Leben ohne Tod
Und ganze Freude ohne Not.

Da ist Gesundheit ohne Weh
Und währet heut und immermeh.

Da sind doch tausend Jahr wie heut
Und ist auch kein Verdrießlichkeit.

Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
Und such das Gut ob allem Gut!

Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.

Du hast doch hier kein Bleiben mehr,
Obs morgen oder heute war.

Da es denn anders nicht mag sein,
So flieh der Weite falschen Schein.

Bereu dein Sund, beßre dich gleich,
Als wollt es morgen gen Himmelreich.

Gott segne dich, Sonn, Gott segne dich, Mond,
Ich will zu Gott, der im Himmel wohnt.

Heinrich von Lauffenberg

(1390 - 1460), katholischer Priester und Autor in der Schweiz und Südwestdeutschland