Gedicht zum Thema: Liebe

Das Frühstück

Der Tee schmeckte bitter an diesem Morgen
und das lag nicht an der Nacht
sie hat auch nur, anstatt zu lachen
ein Lächeln zustande gebracht
als er sie fragte: »Mögen Sie Quark
er kostet keine müde Mark!«

Er war gelöst, sie war es nicht
und das lag nicht an der Nacht
sie hatte weiß Gott schon andere
– sinnlose – Nächte verbracht
mit Männern, die sympathisch waren
und doch nicht mehr als Männer waren.

Aber der, mit dem sie zusammensaß
war auch noch Mensch außer Mann
war zärtlich, witzig, überlegen
traurig, ernsthaft und verlegen
ein Mann, dem man das Mannsein vergibt
kurz gesagt: sie war verliebt!

Sie fragte sich: mußte das sein?
– und sie meinte nicht die Nacht –
da ist ein Mann, der mich verwirrt
wer hätte das gedacht
obwohl es keinen Zweifel gibt
daß er nur die Liebe liebt.

Aber der, mit dem sie zusammensaß ...

Doch dann dachte sie: was soll's
ist es so schlimm, verliebt zu sein
in einen Mann, der es nicht ist
ich glaub, ich kann's ihm verzeihn
wie gut tut oft ein Gewitter –
es klärt und geht vorbei –
der Tee schmeckte nicht mehr bitter
und sie lachte wieder frei!

© Jörn Pfennig

(*1944), deutscher Dichter und Lyriker

Quelle: Pfennig, Grundlos zärtlich. Gedichte, 1979