Gedicht zum Thema: Traurigkeit, Trauer

Wie in sanften Wintern ...

Wie in sanften Wintern die Schneeflocken fliegen
womöglich verfrüht auf die Gräser wehn
komm ich wie verirrt auf dich zu liegen
will einfach in deinen Armen zergehn ...

Eine vage Phantasie gab mir zu verstehen
daß es mir durch deine Wärme wohler wird –
du fragst, warum ich traurig bin: ganz aus Versehen
hat Harmloses mich wieder mal verwirrt:

Kinder haben Krieg gespielt
ganz routiniert aufs Herz gezielt
und Schwalben sind vorbeigezogen –
als Kreuz formiert sind sie geflogen ...

Ein alter Mann saß schlafend auf der Bank
ein Heft ›Erwachet‹ in der Hand
und düstre Gedanken über die Zeit
verflogen sich in die Traurigkeit.

© Jörn Pfennig

(*1944), deutscher Dichter und Lyriker

Quelle: Pfennig, Grundlos zärtlich. Gedichte, 1979