Gedicht zum Thema: Ruhm

Konsequenz

Wer da zu früh die Gunst der Welt erfahren
Und ihres Beifalls Übermaß errungen,
Der wird sofort, von Hochmut rasch durchdrungen,
Die menschliche Gemeinheit offenbaren.

Schon auf dem Gipfel wird er sich gewahren,
Gewappnet, wie dem Haupt des Zeus entsprungen;
Verachten wird er dreist der Wahrheit Zungen,
Ungnädig sein – auch gegen Schmeichlerscharen.

Er fühlt sich, und die höchste selbst der Kronen
Vermag ihm keine Demut einzuflößen:
Daß er sie trägt, soll euch, nicht ihn belohnen.

Blickt doch nur hin nach euren Ruhmesgrößen,
Wie sie da rings als schnöde Götzen tronen,
Zum Dank euch weisend ihre Hinterblößen.

Ferdinand von Saar

(1833 - 1906), österreichischer Schriftsteller, Novellist, Lyriker und Dramatiker