Gedicht zum Thema: Bier

Ein Lied vom Hopfen

Der Hopfen sprach: ich rank' am Boden hier,
Komm, stütze mich, ich dank' dir einst als Bier –
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich stützte ihn, da hieß es: bind mich fest,
Damit der Wind mich ruhig reifen läßt;
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich band ihn fest; da rief er: jetzt ist's Zeit,
Pflück mich und bring mich hurtig auf die Spreit:
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Dahin auch trug ich ihn; doch alsobald
Klang's wieder: in den Kessel jetzt! er wallt!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich brühte ihn; da heischt' er: nun ins Faß,
Ins dunkle Faß und dann ins helle Glas!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Und als das Glas nun schäumend überlief,
Da warf er mich zum Danke um und rief:
Ei, ei, du stehst gar lose auf den Füßen!

Charles Edouard Duboc

(1822 - 1910), Pseudonym Robert Waldmüller, deutscher Schriftsteller; Bruder des Schriftstellers und Philosophen Julius Duboc