Gedicht zum Thema: Korb

Ein Weib verschmäht oft, was sie gern erblickt:
Die Neigung wird recht heiß, die anfangs kalt;
Wenn sie erst zürnt, ist's nicht, weil sie euch haßt,
Sie will, daß Lieb' euch tiefer erst erfaßt.
Schickt sie euch fort, das heißt nicht, ihr sollt gehn:
Die Närrchen werden wild, läßt man sie stehn.
Nehmt keinen Korb an, was immer sie sage,
Denn »pack dich« bedeutet sicher »wage«.
Lobt, schmeichelt, preist, vergöttert ihre Mängel;
Wie schwarz sie sei'n, vergleicht sie mit einem Engel.
Ein Mann, der eine Zung' hat, ist kein Mann,
Wenn sie ihm nicht ein Weib gewinnen kann.

William Shakespeare

(1564 - 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Quelle: Shakespeare, Zwei Herren aus Verona (The Two Gentlemen of Verona), um 1590-1595, Erstdruck 1623, erste deutsche Übers. von Christoph Martin Wieland 1765. Hier übers. von Dorothea Tieck, Georg Andreas Reimer, Berlin 1832