Gedicht zum Thema: Unzufriedenheit

Alphabetic Blues

Egal, wie dich das Schicksal buchstabiert,
du lebst von A bis Z nie ungeniert:

Durch Zufall auf Platz eins gehoben,
sollt man das Alphabet nicht vor dem Abend loben.
Dem A es in der Seele friert,
weil Leadership ihn isoliert.
Wenn auf dem Gipfel kühl die Winde wehen,
genießt er es ins Tal zu sehen.
Sein Urteil über B ist schlicht:
"Zur A-Klasse, da reicht's dem nicht!"

Dem tut es in der Seele weh,
daß er nicht A ist, sondern B
Depression ist sein Begleiter,
er hat's nicht leicht als ewger Zweiter
und nichts versetzt ihn so in Rage
wie A in der Big Boß-Etage.
Auch wenn sein Blick nach unten schweift,
er oft die Welt nicht mehr begreift.

Die Kompetenz von C bis K,
die legt Verzweiflung ihm oft nah
und dies Gefühl, es weicht nicht schnell,
bei einem Rundblick nach dem L.
Unterm Strich es so ergeht
allen gleich im Alphabet.
Selbst ist man zwar hoch integer,
doch drunter hat man seine Neger
und schweift der Blick voll Neid nach oben-
in jedem Fall wird Frust geschoben...

Sprechen K und L von Jott,
so folgern sie "Ach Gott, ach Gott!"
Von V und W hört man indessen,
"…das Ypsilon kannst du vergessen!"
Drum denkt man, wär es fair und nett,
daß wenigstens das arme Z,
in Frieden unbeneidet leben kann,
denn keiner meckert hintendran.
Doch liegt das schnelle Urteil schief,
denn dieses ist nur relativ:
Das Z wär glücklich jede Stunde,
doch leider beißen es die Hunde

All dies lehrt, sich zu bescheiden,
hastigen Vergleich zu meiden:
für jeden gilt von A bis Z,
daß er es gerne anders hätt!

© KarlHeinz Karius

(*1935), Urheber, Mensch und Werbeberater

Quelle: Karius, WortHupferl-Edition, WortHupferl-Verlag