Gedicht zum Thema: Ahnung

Ich ahne im Flüstern und Weinen
Die Form von vergangenen Gesichtern,
Doch in musizierenden Lichtern
Will Morgen der Liebe erscheinen!

Und Seele und Herz wieder schwärmen
Ganz hellsichtig, hellhörig innen,
Der Sang aller Lichtviolinen
Steigt scheu durchs erwachende Lärmen.

Todeseinsamkeit, Liebeslust, Gaukel
Mit Stunden, bald alten, bald jungen,
Bang hin und froh her geschwungen!
O sterben, o, in dieser Schaukel!

Paul Verlaine

(1844 - 1896), französischer Lyriker, hatte enge Verbindung zum Bohème-Milieu, vagabundierte mit A. Rimbaud 1871-73 durch Nordfrankreich, England und Belgien

Quelle: Verlaine, Parallèlemement, Erstdruck der Sammlung: Paris, L. Vanier 1889, übers. v. Wolf Graf v. Kalckreuth