Gedicht zum Thema: Trennung

Darf mein Unglück niemand klagen,
muß verschweigen meine Pein.
Was mich rührt, darf ich nit sagen,
muß dabei geduldig sein.
Muß mich stellen ganz gelassen,
gleich als quälte mich kein Schmerz.
Und doch muß ich dich verlassen,
die von allen liebt mein Herz.

Dir zu dienen will ich leben,
schönster Schatz auf dieser Welt.
Dir hab ich mich ganz ergeben
und als Liebste dich erwählt.
Tu ich schlafen oder wachen,
liegt dein Bild mir stets im Sinn
und tut freundlich mich anlachen,
als ob ich schon bei dir bin.

Unter diesen Schönen allen,
du nur bist, die mich erfreut.
Doch du läßt mich leiden Qualen;
traurig fühlen meine Zeit.
Wenn mein Herz doch Fenster hätte,
und du könntest sehen drein.
Ach, daß sie's erbarmen täte,
daß ich leide so viel Pein.

Unbekannt

Fränkisches Volkslied aus dem 18. Jahrhundert