Gedicht zum Thema: Weisheit

A n deinen Freund häng' ganz dein Herz
Und theile mit ihm Freud' und Schmerz.

B eweis dich zärtlich, treu und gut
Stets in Geduld mit heitrem Mut.

C hristlich zu leben und fromm zu sein
Bestreb' dich ohne Heuchelschein.

D ein' Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein,
So wirst du stets im Klaen sein.

E s haben Hoffarth, Stolz und Pracht
Schon manchen armen Mann gemacht.

F reu' dich an des Nachbars Wohl,
Da auch den Feind man lieben soll.

G edenk', wenn's hie und da gebricht,
Vollkommenheit findt' man hier nicht.

H ilf Leidenden mit Rath und That,
Auch dem, der's nicht verdienet hat.

I n's Leiden gehe du auch gern,
Auch dies ist Wohlthat vor dem Herrn.

K rankheit Besuch versage nicht,
Doch sprich da nur von Christenpflicht.

L ies dann und wann ein gutes Buch,
Das frommet mehr als manch' Besuch.

M und und Hand und Herz und Haus halt' rein,
Willst du ein braves Weibchen sein.

N ie bösen Menschen dich vertrau',
Sonst möcht' es dich nachher gerau'n.

O b nun im Haus steht alles wohl,
Dein Augenmerk stets bleiben soll.

P rüf' all dein Thun, eh' es geschieht,
Nachreu' bringt Schmerz und bessert nicht.

Q uäl' dich ja nie mit Vorurtheil
Und Eifersucht, es schafft Unheil.

R egier' mit Sanftmut und Verstand,
Arbeit' auch gern mit eigner Hand.

S chmück' dich, wenn es dein Stand vermag,
Doch ahm' nicht jede Mode nach.

T ugend sei dein Kleid auf Erden,
Sie macht dich zu des Himmels Erben.

W ann's trüb hergeht, nicht trostlos wein',
Auf Regen folget Sonnenschein.

X anthippenstreiche hasse du,
Mit Jedem leb' in Fried' und Ruh'.

Z ur rechten Zeit sei streng und mild,
Und so der Tugend Ebenbild.

Z macht dem Reimen nun ein End',
Gott segne All', die's gelesen hend.

Unbekannt

Ein »gülden ABC« an einem Ofen in Elgg (Schweiz), 1810