Gedicht zum Thema: Dankbarkeit

Wie glücklich!

Du führtest einem heil'gen Amt
Auf schönen Pfaden mich entgegen
Und hast die Kraft in mir entflammt
Und gossest auf mich deinen Segen,
Und machtest sanft und leicht mein Joch:
O Gott, wie glücklich bin ich doch!

Der Friede wohn in meinem Haus,
Es geht mich leuchtendem Gefieder
Ein heit'rer Engel ein und aus,
Erzählt mir Märchen, singt mir Lieder
Und schenkt mir gold'ne Träume noch:
O Gott, wie glücklich bin ich doch!

Und einer heil'gen Flamme gleich,
Die auf dem goldnen Leuchter glühet,
Ist sie, die treu und anmutreich
Sich liebend nun um mich bemühet
Je länger um so lieber noch:
O Gott, wie glücklich bin ich doch!

Es spielt um mich ein holdes Kind,
Es grüßen helle Augensterne,
Die Tage fliehen wie der Wind,
Und von der Zukunft träum' ich gerne;
Mein Kind, ein Mann! erleb' ich's noch?
O Gott, wie glücklich bin ich doch!

Wohl weiß auch ich, was Trübsal heißt,
Und hab's bei früher Zeit erfahren;
Doch in dem Kampf erstarkt der Geist,
Und die Geduld wächst mit den Jahren,
Und Hoffnung bleibt am Grabe noch:
O Gott, wie glücklich bin ich doch!

Julius Sturm

(1816 - 1896), Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, deutscher Dichter und Liedertexter