Gedicht zum Thema: Sonntag

Samstag-Abend

Wozu würden wir denn leben,
Wenn nach dem verdammten Streben
Nicht der Samstag Abend wär'
Mit dem Sonntag hinterher?

Fehlt' es uns an diesem Ziele,
Möcht' ich wirklich sehn, wie viele
Noch bereit beim Hahnenschrei
Wären zu der Rackerei!

So hingegen läßt sich's tragen –
Tröstet's doch, schon nach sechs Tagen
Arbeitsamer Höllenpein
Immer wieder faul zu sein!

Mit dem Batzen in der Tasche
Hockt man dann bei Krug und Flasche,
Hört als kunstgeneigter Mann
Einen Widihupfauf an;

Spricht nicht mehr, als zur Verdauung
Nötig ist und Auferbauung –
Regt sich 'mal die Phantasie,
Kneift sein Schätzgen man ins Knie.

Ja, 's ist alles richtig wieder,
Sinkt die Samstagssonne nieder!
Schmunzelnd geht im Publikum
Dann sein lieber Gott herum.

Hanns von Gumppenberg

(1866 - 1928), Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg, benutzte auch die Pseudonyme Jodok und Professor Immanuel Tiefbohrer; deutscher Dichter, Übersetzer, Kabarettist, Mitbegründer des Münchner Kabaretts »Die Elf Scharfrichter«