Gedicht zum Thema: Geld, Gold

Geld

Ein Geldschein kam in meine Hand,
Von einem Mädchen auf den Rand
Stand hingeschrieben schicksalsschwer:
Für dich gab ich die Unschuld her.

Wer's auch geschrieben auf den Rand,
Ob zitternd eine bleiche Hand,
Die kaum, von Gegenwehr erschöpft,
Das dünne Jäckchen zugeknöpft;

Wer's auch geschrieben auf den Rand,
Ob einer Dirne müß'ge Hand,
Die eben in erlogner Lust
Den Wüstling drückte an die Brust.

Ein fürchterliches Elend schrieb
Die Zeile, die erhalten blieb,
Wenn auch den Schein als Unterpfand
Ein Wuchrer drehte in der Hand,

Wenn auch, des Scheines tiefen Sinn
Nicht achtend, eine Königin
Ihn gab für einen Schmuckes Tand –
Vom eklem Schmutze starrt sein Rand!

Und dennoch bist du schlechter nicht,
Trägst du auch schamlos im Gesicht
Die offne, unbedeckte Schand':
Kein bessrer geht von Hand zu Hand!

So kamst du mir und gehst davon,
Und gierig streckt nach dir sich schon
Der Habsucht spinnendürre Hand,
Und weiter wanderst du durchs Land!

Hugo Salus

(1866 - 1929), Arzt aus Böhmen und deutschsprachiger Schriftsteller