Gedicht zum Thema: Sterben

Abendsprache

Und geht es zu Ende, so laßt mich allein
mit mir selber auf einsamer Heide sein;
will nichts mehr hören und nichts mehr seh'n,
will wie ein totes Getier vergeh'n.

Das graue Heidemoos mein Sterbebett sei,
Die Krähe singt mir die Litanei.
Die Totenglocke läutet der Sturm,
begraben werden mich Käfer und Wurm.

Auf meinem Grabe soll stehen kein Stein,
kein Hügel soll dorten geschüttet sein;
kein Kranz soll liegen, da wo ich starb,
keine Träne fallen, wo ich verdarb.

Will nichts mehr hören und nichts mehr sehn,
wie ein totes Getier, so will ich vergeh'n;
und darum kein Hügel und deshalb kein Stein:
spurlos will ich vergangen sein.

Hermann Löns

(1866 - 1914), deutscher Naturforscher, Tierschilderer, Heide- und Liederdichter