Gedicht zum Thema: Erbe(n), Testament

Letzter Wille

Und wenn ich kalt bin, gebt mir meinen Frack
Mit weißen Handschuhn und geknüpfter Binde
Und zieht mir Schuhe an aus blankem Lack.
Daß ich als Mann von Welt und von Geschmack
Den parkettierten Weg zur Hölle finde!

Ich möchte nämlich nicht, daß drüben man
Sich hämisch denkt: Nun kommt er doch als Büßer!
Was ich getan, hab' ich mir selbst getan,
Und lebte ich als Lüdrian,
So will ich sterben nicht als Spießer.

Ferner verbiete ich, daß man ein Kreuz
In meine Hände lege und sie falte!
Dies wäre eine Fratze meinerseits.
Ich will ein Mädchenbild von keuschem Reiz,
Daß ich es fest am stummen Herzen halte.

Denn hab' ich auch auf dieser Erde nie
Mit andern mich als Dirnen abgegeben,
Ich bin kein Bankrotteur der Phantasie,
Und irgendwie
Muß es doch anders sein – im andern Leben!

Anton Wildgans

(1881 - 1932), österreichischer Jurist, Dramatiker und Lyriker; 1921/22 und 1930/31 Direktor des Wiener Burgtheaters, der nach ihm benannte A.-Wildgans-Preis kommt jüngeren österreichischen Autoren zugute