Gedicht zum Thema: Tränen

Wenn der Unschuld Zähren
In die Augen treten,
Das Gesicht verklären,
Und die Lippen beten, –
Das durchdringt die Brust
Mit sel'ger Lust. –
Aber wenn das Herz
Durch die Augen fließt,
Und des Kummers Schmerz
Flehend sich ergießt,
Und auf unsre Hände
Strömen Dankesthränen, –
Das ist Himmelsspende,
Wo wir Engel wähnen!

Heinrich Martin

(1818 - 1872), deutscher Schriftsteller, Pseudonym für Heinrich Martin Jaenicke

Quelle: Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten, 1867