Gedicht zum Thema: Einsamkeit, Alleinsein

Einsam sein

Am Waldrand grasen die Rehe,
Nun fliehn sie flink dahin,
Weil ich vorübergehe –
Sie wissen nicht, wer ich bin.

Daß ich nicht kam, zu jagen
Des Waldes scheues Getier,
Nicht, Schrecken und Tod zu tragen
Ins grüne Weidrevier;

Daß ich weltabgeschieden
Wie sie, glückseliger wär;
Daß ich wie sie, nur Frieden
Freiheit und Ruhe begehr;

Und daß auch mir im Grünen
Kein Fleckchen übrig bleibt,
Aus dem nicht mich, gleich ihnen,
Ein Menschengesicht vertreibt.

A. de Nora

(1864 - 1936), Pseudonym für Anton Alfred Noder, deutscher Arzt und Dichter

Quelle: de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, Verlag von L. Staakmann, 1912