Gedicht zum Thema: Tier

Der Weihnachtsbraten

Wenn du hungrig dich am Mittagstisch platzierst und ein Wohlgeruch dir schmeichelt,
die Soße duftet und die Sinne dich verführen und betörend deine Seele wird gestreichelt,
halt in Beschaulichkeit und Andacht still, gedenk dem armen Schwein, der Gans, der Kuh.
In Knechtschaft haben sie ihr Dasein einst gefristet, in deinem Magen finden sie nun Ruh.
Denk einmal darüber nach, sicher kommst du dann zur Einsicht und fühlst voller Verdruss,
dass ein Tier der Schöpfung erst für dich gelitten und am Ende auch noch sterben muss.
Der Mensch ist gierig, er kennt kein Erbarmen, verdrängt das Leiden so mancher Kreatur,
denkt nur an sich und ist erbarmungslos mit der uns von Gott geschenkten tierischen Natur.
Ob es das Gewissen ihm erleichtert, wenn er Hund und Katz verhätschelt und verwöhnt?
Bedenkt er damit nicht, wie das Schwein und auch die Kuh im Schlachthof hat gestöhnt?
Drum nutz die Zeit, die uns vor Weihnachten noch bleibt und denk einmal darüber nach,
ob weniger nicht mehr ist, für die Tiere und die Gesundheit und ein Leben ohne Schmach.
Du brauchst zum Fest dir nicht das Geringste zu verwehren oder an Entbehrungen zu leiden.
Du sollst in Ehrfurcht vor der Kreatur nur was zuviel ist und dir selbst auch schadet meiden.

© Heinz Nitschke

(*1943), Diplom-Ingenieur FH