Gedicht zum Thema: Gedicht, Dichter

Was übrig bleibt

Der Stern im All ist zwar verglüht,
des Menschen Aug ihn dennoch sieht.

So bleiben Dichter – wie gescheh'n –
auch nach ihrem Tod zu sehn.
Geleert hat sich zwar sterblich Hülle,
doch ihre geist'ge Überfülle
wird sie lange überdauern,
sogar das menschliche Betrauern.

Gedanken, die sie einmal hatten,
sind stärker als humane Schatten.
Stärker als im Grab die Leichen
beweist sich hier der Geist als Zeichen.
Unbehindert, unbeleibt
bezeugt wird das, was übrig bleibt.

© Tilly Boesche-Zacharow

(*1928), deutsche Schriftstellerin