Gedicht zum Thema: Hoffnungslosigkeit

In der Tretmühle

Verlorene Tage! Glied an Glied
Reiht sich zu einer öden Kette,
So trostlos leer, so traurig schwer –
Ein niedrig Daseins-Hingefrette.

So traurig schleicht der graue Fluß
So träg, so schmutzig, so finster:
Trägt schwere Lasten und reibt sich vorbei
An Kieselerde und Ginster.

Ich sehe nicht mehr zurück mit Weh
Zu Tagen voll Schaffensfreude,
Ich hoffe nicht mehr stolz: Dereinst! –
Ich hab nur ein ewiges Heute.

Ludwig Scharf

(1864 - 1938), deutscher Lyriker, sein Gedichtband »Lieder eines Menschen« gilt als eines der wichtigsten lyrischen Werke des Naturalismus

Quelle: Scharf, Gesammelte Lyrik und Prosa. Mit einer Auswahl aus dem Briefwechsel. Herausgegeben von Walter Hettche, Aisthesis Archiv 16, Aisthesis Verlag, Bielefeld 2011. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Aisthesis Verlags. Verstreut veröffentlichte und handschriftlich überlieferte Gedichte (1883-1926)