Gedicht zum Thema: Silvester

Am letzten Abend im Jahre

Bald hat wieder eine große Stunde
In der Lebensglocke ausgetönt!
Schweigend sitzt die Nacht auf ihrem Throne
Und mit Sternen ist ihr Haupt gekrönt.

Feierlich umschließet mich die Erde;
Noch bin ich im heil’gen Dienst der Zeit;
Aber hinter Wolken steht und winket
schon der Bote der Unsterblichkeit.

Millionen sanken hin zur Ruhe,
Millionen an dem Wanderstab;
Schaurig weht die schwarze Todesfahne
und die ganze Erde ist ein Grab.

Stille Geister, schwebt ihr um die Menschen?
Ist der Himmel vor auch aufgehellt?
Ach nur eine Stimme aus der Wolke,
Einen Blick in jene Geisterwelt!

Doch der kalte Tempel bleibt verschlossen,
Stumm das Grab und still die Ewigkeit.
Vor uns sä’t das Leben seine Blumen;
Hinter uns mäht die Vergänglichkeit.

Johann Heinrich Wilhelm Witschel

(1769 - 1847), deutscher Theologe und Dichter