Gedicht zum Thema: Stadt

Jerusalem von Gold

Des Nachtzelts dunkler Bogen senkte
sich vor dem Morgenlicht,
das aus dem Horizont sich drängte
und Perlenschnüre flicht.

An Montefiores Mühle durft ich träumen,
und Davids Turm winkt mir,
verdeckt von dunklen Pinienbäumen.
Das Herz verging mir schier.

Nach Jericho die Wüstenstraße
geh ich im Glanz hinab,
bis schließlich dann ich sie verlasse,
zu grüßen Rachels Grab.

Es ist der ew'ge heil'ge Schauer,
der mich berührt und greift,
seh ich Jeruschalayims Mauer,
gebaut, geliebt, geschleift.

Als Bardin will ich dich besingen,
Jerusalem von Gold!
Will Ovationen dir darbringen,
wie mancher dir schon zollt'.

Jerusalem aus gold'nem Schein,
der helle Funken ins Herz versprüht,
kannst mir des Himmels Abbild sein,
werde mir zum Lied.

© Tilly Boesche-Zacharow

(*1928), deutsche Schriftstellerin