Gedicht zum Thema: Wohnen

Obdachlos

Langsam müde schiebt sich das Straßengrau
Unter meinen Füßen dahin

Die Wunden des Schlafs
Die Narben des Hungers
Sie treiben meine Schritte voran

Eine jede Hausecke weckt Neugier und Angst zugleich
Jeder Vorübergehende
Den Wunsch nach flüchtiger Berührung

Wirkliche Wärme
Erfasst mich nur
Im zusammengekauerten Rudel
Meiner Gefährten –
Im Schatten der alten Kirche

Da werden mit einem Male
Die Betten der Hoffnung
Die Regale mit Speisen
In fröhlich-beißendem Spott
Untereinander verteilt

© Heinz Körber

(*1938), Aphoristiker