Gedicht zum Thema: Wort, Wortspiel

Unendliche Reihe

Des Nagels Kopf nur träf’ ich gern,
Und hau’ so oft daneben,
Gern gäb’ ich euch den nackten Kern,
Und muß umhülst ihn geben.

Das Wort, das Sache selber ist,
Such’ ich, und nicht das Zeichen,
Und kann doch leise nur mit List
Dem Brei mich näher schleichen.

So quälen wir uns allzumal
Nach dem Juwel, dem Ziele,
Das steckt in manchem Futteral,
Zum letzten sind’s noch viele.

Was eine Zeit der nächsten schenkt
Als letzte Geisterfüllung,
Ist ihr, die tiefer sich versenkt,
Nur Räthsel zur Enthüllung.

Homunculus: Gedanke gleißt
Stets nur in neuem Glase;
Was uns noch heut ein Schlagwort heißt,
Ist morgen eine Phrase.

Friedrich von Sallet

(1812 - 1843), deutscher Dichter

Quelle: Sallet, Gedichte. Pantheismus und reife Liebe