Gedicht zum Thema: Herbst

Ein herbstlich Lied für Zweie

Auch diesem Stieglitz da im Blätterfall
tickt wunderbar in seinem Federball
ein schüchtern schluchzend Herz, ein kleines,
ein Herz wie meins und deines.

Der Vogel singt, weil ihn sein Herz bezwingt
und große Sonnenlust ihn frisch umschwingt,
er muß von seinem Herzen zehren.

Und jedes Flüsterbäumchen uns vertraut
trägt unter seiner weichen Rindenhaut
ein horchend Neugierherz, ein wachsend kleines,
ein Herz wie meins und deines.

Der Baum verzweigt, und weiter zweigt er still,
weil frei sein Herz ins Blaue schauen will –
er muß von seinem Herzen zehren.

Wer spürt, wie bald das nächt'ge Schweigen naht.
Du hast mich lieb und gehst denselben Pfad;
wir leben zueinander warm und still:
Wie unser ruhlos wunschgroß Herz es will.

Gerrit Engelke

(1890 - 1918), dt. Arbeiterdichter aus Hannover, gefördert von Richard Dehmel, gefallen im Ersten Weltkrieg