Gedicht zum Thema: Natur

Der nicht vegane Sonnentau

Ein Mensch, von Hause aus vegan,
schafft Pflanzen für die Wohnung an.
Er fährt dafür ins Gartenland,
wo er oft schöne Pflanzen fand.
Sein Blick fällt auf den Sonnentau,
das ist die Blume, die genau
all seinen Wünschen voll entspricht.
(Pflegeanleitungen liest er nicht.)
Die Pflanze scheint ihm sehr exotisch,
allein der Name – fast poetisch.
Sie kommt jedoch bei uns auch vor,
nicht häufig und fast nur im Moor.
Da hat es einen tiefen Grund,
dass Sonnentau, um ganz gesund
zu wachsen und auch zu gedeih'n,
sich stellt auf Nährstoffmangel ein:
denn diese abgelegne Stelle
ist keine gute Stickstoffquelle
Und anders als man es erwartet:
die Pflanze scheint total entartet!
Der Mensch mit Blume ist zuhaus,
er packt sofort das Pflänzchen aus.
Da steht sie auf der Fensterbank –
die kleinen Stielchen rank und schlank.
Die Tröpfchen leuchten – wie genau? –
Ja! eben wie der Sonnentau.
'ne Fliege fliegt hin zu den Blättern,
sie fängt an, dort herumzuklettern,
scheint auf den Blättern fast zu kleben,
sieht aus als kämpft' sie um ihr Leben.
Blätter und Tropfen sich bewegen,
die Fliege kann sich kaum noch regen.
Zum Schluß ist sie ganz regungslos;
was ist bloß mit der Fliege los?
Die Fliege haucht ihr Leben aus,
der Sonnentau – pfui – saugt sie aus.
Zurück bleibt nur die Außenhaut,
der Rest wird restlos ganz verdaut.
Die Pflanze hat den Nährstoff jetzt,
der fehlte, ganz geschickt ersetzt.

Die Pflanze lebt nicht vegetarisch!!
Veganer finden das barbarisch,

© Karl Werner Dickhöfer

(*1938), Lehrer im Ruhestand