Gedicht zum Thema: Trennung

Die weite Welt ist nun zur Ruh’

Die weite Welt ist nun zur Ruh’,
Das Mondlicht kommt verstohlen
Und küsst die müden Augen zu.
Schatten kommen, so kommst auch du,
Schwebend auf leichten Sohlen.

Wie seh’ ich dein Auge leuchten klar
Und Tränen darin stehen!
Ich weiß nicht, wie es geschehen war,
Das aber weiß ich immerdar,
Dass Leides uns geschehen.

Noch fühl’ ich das Beben deiner Hand,
Als wir im Sommer schieden.
Der Winter kam, und der Winter schwand;
Ich wandre in fernem fremdem Land
Und finde nimmer den Frieden.

Die ganze Seele füllt’ ich dir aus,
Wärest du jetzt mein eigen;
Doch du schlummerst fern im grünen Haus,
Nachtfalter flattern herein, heraus,
Und im Garten wandelt das Schweigen.

Julius Grosse

(1828 - 1902), Julius Waldemar Grosse, Pseudonym: Otfried von der Ilm, deutscher Schriftsteller und Theaterkritiker

Quelle: Grosse, J., Gedichte