Gedicht zum Thema: Fremd, Entfremdung

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Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
zieht die Straße den gescheckten Gurt
der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
Immer glänzt das Pflaster wassernaß.

Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick dich kalt
bis ins Mark; die harten Schritte haun
Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun,
noch sein kurzes Atmen wölkt geballt.

Keine Zuchthauszelle klemmt
so in Eis das Denken wie dies Gehn
zwischen Mauern, die nur sich besehn.

Trägst du Purpur oder Büßerhemd –:
immer drückt mit riesigem Gewicht
Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht.

Paul Zech

(1881 - 1946), deutscher Schriftsteller und Übersetzer

Quelle: Zech, in: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung, hg. v. Kurt Pinthus, Rowohlt, Berlin 1920. In: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Erstausgabe Kurt Pinthus 1919; ab 1920 Rowohlt Verlag, Berlin