Gedicht zum Thema: Natur

Frühling im Unstrut-Tal

Der Fliederduft hat sie geweckt –
die wilden Orchideen blüh'n,
manch eine hat bereits ihr Haupt
zur Sonne stolz emporgereckt.

Der Frauenschuh lässt sich schon seh’n,
mit seinem dicken gelben Herz.
Im lila- rosa- roten Kleid
die vielen Knabenkräuter steh'n.

„Nun ist es Zeit, nun ist es Zeit“,
so klingt der Lerche süßes Lied.
„Wacht auf, wacht auf, ihr Blüten all,
bedeckt die Wiesen weit und breit!“

Doch stiehlt die Ragwurz hier die Schau
dem farbenfrohen Knabenkraut.
Sie ist ganz schlicht, nur grün und braun,
und dabei doch besonders schlau.

Denn mit besonderem Geschick
lockt jede hier Insekten an,
die Blüten seh'n wie diese aus –
und sehr erfolgreich ist der Trick.

Soweit auch unser Auge reicht,
es summt und brummt nun überall,
das Wiesenschaumkraut rosa blüht,
auch Raps macht es den Bienen leicht.

Mit seiner leuchtendgelben Pracht
er manches Feld hier überzieht
und strahlt im hellen Morgenlicht,
als hätt‘ ein Maler das erdacht.

Vergissmeinnicht und Lungenkraut,
sie steuern bei die Farbe Blau,
Das Siegel Salomons glänzt weiß
und Hornklee gelb, soweit man schaut.

Jetzt ist die schönste Zeit im Jahr,
es blüht und duftet überall,
es zwitschert und es tiriliert
die ganze große Vogelschar.

Drum zieh‘ die Wanderschuhe an
und streife durch das Unstrut-Tal.
Die prächtig bunte Frühlingswelt
zieht dann auch dich in ihren Bann.

© Christa Kluge

(*1941), Lehrerin in Ruhestand