Gedicht zum Thema: Wunsch

Wolte sie nur/ wie sie solte

Wolte sie nur/ wie sie solte;
und solt' ich nur/ wie ich wolte/
So wer' ich und sie vergnügt.
Ach! wie wer' es wol gefügt/
wenn wir nicht so wiederstrebten/
sondern itzt und für und für/
Ich bey ihr/ und sie bey mir/
in verglichner Liebe lebten.

O wie würden unsre Heerden
so geschwinde feister werden!
Feld/ und Thal/ und Berg und Heyn/
würde mit uns frölich seyn.

Alle Nymfen würden lachen/
und uns manchen schönen Tantz/
manchen schönen lieben Krantz
in den bunten Wiesen machen.

Ich auch würd auff meiner Pfeiffen
ein erfreutes Liedlein greiffen/
wenn ich in der Liebsten Schoß
alles Kummers würde loß.
Denn wolt' ich an stat deß Klagen/
das mich itzt für seiner Pein/
kaum läßt mich und meine seyn/
nur von lauter Wonne sagen.

O du schöne Salibene!
Salibene/ O du schöne!
schau doch/ wie sich Alles liebt/
und in süßen Freuden übt.
Alles wird durch Lust gerühret.
Wir nur gönnen unsre Zeit
der verstoßnen Einsamkeit.
Denck' ob diß sich auch gebühret.

Paul Fleming

(1609 - 1640), deutscher geistlicher Dichter und Lyriker des Frühbarock

Quelle: Fleming, Teütsche Poemata, 1642 (posthum). Originaltext