Gedicht zum Thema: Gleichnis, Metapher

Der Korbflechter

Erst klopfe ich die rauhe Rinde
herab vom Weidenstammgezweige,
daß sich das fertige Gebinde
den Blicken weiß und glänzend zeige.

Dann fügt sich unter meinen Händen
das gute Holz so wie das schlechte,
wenn ich es mit den harten Enden
verbinden muß zum Korbgeflechte.

Die feinen Ruten, flach gezogen,
ich muß sie auseinanderlenken,
auf daß sie im gespannten Bogen
sich um so inniger verschränken.

Und will mir eine Rute streben
aus des Geflechtes festen Gängen,
so muß ich sie – wie mich das Leben –
Mit sicherm Griffe niederzwängen.

Alfons Petzold

(1882 - 1923), österreichischer Schriftsteller

Quelle: Petzold, A., Gedichte. Das hohe Leuchten, 1939