Gedicht zum Thema: Muse

Die Muse

Leise, schüchternen Tritts, wie sich der Liebe Glück
Einst dem Knaben genaht, nahet die Göttliche,
Und das heilige Feuer
Schürt sie wieder im Busen mir.

Was das Leben dir auch oder der Tod dir nahm,
Blieb die Muse dir treu – nimmer verarmt ein Herz,
Dem das Leid in Gesängen
Auszuströmen ein Gott verlieh.

Heinrich Leuthold

(1827 - 1879), Schweizer Dichter und Epiker, Mitglied des Münchner Dichterkreises und Übersetzer französischer Lyrik

Quelle: Leuthold, Gesammelte Dichtungen in drei Bänden. Eingeleitet und nach den Handschriften herausgegeben von Gottfried Bohnenblust, Huber & Co., Frauenfeld 1914. Originaltext