Gedicht zum Thema: Spiel, Spielen

Die Gnomen und das Kartenhaus.

Zwei Gnomen namens Frosch und Frisch
Erblicken Karten auf dem Tisch.

Gar bald vergnügt die beiden sehen:
Die Blätter bleiben aufrecht stehen,

Wenn man sie so zusammenstellt,
Daß eins das andre stützt und hält.

Daß dies gelang, erfreut sie sehr,
Drum rasch zwei neue Karten her!

Die lehnen link und rechts sie bei,
Daß fester steh'n die ersten zwei.

Frisch ist zufrieden nicht damit,
Er will noch weiter einen Schritt.

Da warnt ihn Frosch: "Sei nicht so dumm,
Du wirfst damit die andern um!"

Doch sieh', es geht! Der Frisch ist froh,
Nun macht es Frosch gerade so.

Der Appetit kommt oft bei Tisch,
So geht’s den Gnomen Frosch und Frisch.

Ob des Gelingens froh und heiter
Bau'n beide an dem Häuslein weiter.

Sie lehnen, wie sie's erst getan,
Die beiden Seitenblätter an.

Und wiederholen so genau
Im zweiten Stock den untern Bau.

Weil nun der Arm so weit nicht reicht,
Steigt Frisch hinauf – so geht's vielleicht!

Es geht! Noch nicht der Arbeit satt,
Schleppt Frosch herbei ein neues Blatt.

Doch endlich geh'n die Blätter aus
Und fertig ist das Kartenhaus.

Voll Freude, weil das Werk geglückt,
Jetzt beide tanzen wie verrückt;

Doch eh' sie's denken, – eins – zwei – drei –
Da ist der ganze Spaß vorbei!

Franz Bonn

(1830 - 1894), deutscher Textdichter

Quelle: Bonn (Text), Meggendorfer (Bild), Die Gnomen und das Kartenhaus / Das lüsterne Wildschwein / Der brave Karo. Drei lustige Geschichten von Lothar Meggendorfer. Mit Versen von Franz Bonn, 1910