Gedicht zum Thema: Verliebtheit

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Durch Hoffen und durch Warten wird
Der Sinn gemein.
Du Holde! Frag nicht lang!
Will dich befrein.

Auf junge Blüten fällt
Nacht: nicht so wunderbar,
Wie gegen deinen Hals
Dämmert dein Haar.

Dein Auge fragt: Mein Wort
Klang fremd: es klang doch rein.
Oh, ich will ewig fremd
Deinem Bangen sein.

Das Müssen und das Leiden schenkt
Kein Abend so klar.
Demütig reicht die Freude
Den Becher dar.

Otfried Friedrich Krzyzanowski

(1886 - 1918), österreichischer Dichter und Bohémien

Quelle: Krzyzanowski, Unser täglich Gift. Gedichte, 1919