Gedicht zum Thema: Geburtstag

Komm, brich an, du liebstes Licht,
komm, brich an für deinen Lieben,
dem der Himmel Heil verspricht
und hat in sein Buch geschrieben!
Recht ists, daß du den itzt labst,
dem du vor das Leben gabst.

Jupiters saphirner Saal
öffnet seine güldnen Pforten.
Der demantnen Lüfte Zahl
bricht herfür aus allen Orten.
Juno setzt ihr buntes Zelt
in das güldne Sternenfeld.

Titan ist vor Morgen auf
und heißt Memnons Mutter eilen,
daß er halte seinen Lauf
mit geschmücktern Feuer-Gäulen.
Zynthie, die volle, steht,
bis ihr ganzes Volk abgeht.

Die gefrorne Winterwelt
treibt zu See und Lande Scherze.
Kaspis rufet in den Belt,
und der Hornung schreit zum Märze:
Der sei ewig ohne Pein,
dem wir heute frölich sein!

Paul Fleming

(1609 - 1640), deutscher geistlicher Dichter und Lyriker des Frühbarock

Quelle: Fleming, Teütsche Poemata, 1642 (posthum). Originaltext. Auf seiner Excellenz Fürstl. Holstein. Rats und nach Rußland und Persien Gesandtens u.s.w. Geburtstag den 14. Hornung 1636, in Revel