Gedicht zum Thema: Abend, Nacht

Parknacht

Die Sterne ziehen auf und schweigen
in eine blaue, samtne Nacht.
Wir flohen längst den lauten Reigen,
die weiße Marmortreppe steigen
wir nieder in die samtne Nacht.

Noch klingt aus jenen hohen Zimmern
Musik aus in die samtne Nacht.
Die lockend weiten Fenster schimmern
von Lichter und kristallnem Flimmern
zu grell uns in die samtne Nacht.

Wir wandeln in dem schwarzen Parke,
nur leise spricht die samtne Nacht.
Wie ich in ihrem Hauch erstarke,
so lösen langsam wir die Barke
auf dieses Teiches samtner Nacht.

Die Ruder sprüh'n: wir gleiten, gleiten,
groß blickst du wie die samtne Nacht.
Es fliehen Zeiten hin und Zeiten,
nur singt von weiten, ganz von weiten
Musik noch in die samtne Nacht.

Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker

Quelle: Calé, Musik am Abend. Nachgelassene Gedichte, Lindau 1948. Originaltext