Gedicht zum Thema: Klage

Mich liebt kein Mensch. Ich sitze hier beim Tee.
Es schmerzt das Herz, die Niere tut mir weh.
Die Mädchen, welche mich geschminkt begrüßen,
Sie sind mit großer Vorsicht zu genießen.

Sie stellen mit des Abenteurers Buntheit
Anforderung an unsre Gesundheit.
Die ist mir heilig. Etwas andres nicht.
Kein Mensch, kein Tier, kein Stern und kein Gedicht.

Wenn ich hier Verse reimend niederschreibe,
Geschieht es nur zu meinem Zeitvertreibe.
Man glaube nicht an Absicht oder Zweck.
Ich bin ein hirnlich infizierter Dreck.

Der fiel von einem Pferd, das fern enttrabt.
Ich werde weder gern noch sonst gehabt.
Man sieht durch mich hindurch. Man geht an mir vorbei.
Und niemand hört des Stummen Klageschrei.

Klabund

(1890 - 1928), eigentlich Alfred Henschke, deutscher Schriftsteller, Übersetzer ostasiatischer Dichtkunst, Lyriker, Dramatiker und Komödienschreiber

Quelle: Klabund, Gedichte. Die Harfenjule, 1927