Gedicht zum Thema: Stadt

Eine stille Stadt

Was mögen wohl die alten Häuser träumen,
die sich geduckt um Schloss und Marktplatz scharen
und auch die engen, stillen Straßen säumen?

Vom Berg grüßt die Abtei seit hundert Jahren,
umkränzt von dichten, frühlingsgrünen Wäldern. –
Nun scheint es nach dem Regen aufzuklaren.

Ein Flüsschen schlängelt sich durch die Idylle,
es windet sich gemächlich durch das Tal,
ganz ohne Eile, friedvoll und in Stille.

Doch wenn das Mondlicht scheint auf dunkle Auen
und jedes Haus versunken ist im Schlummer,
ergreift so manchen Alten tiefes Grauen.

Im Traum sieht er das Schloss in Flammen stehen
und hört den grellen Donner der Geschütze.
Erwacht, weiß er: die Angst wird nie vergehen.

© Christa Kluge

(*1941), Lehrerin in Ruhestand