Gedicht zum Thema: Klage

Klage

Tönt es wieder, treue Saiten,
Was den Busen mir beengt,
Was mich fort nach jener Ferne
In die theure Heimath drängt.

Ach vergebens ist mein Trauern,
Niemand fühlet meinen Schmerz,
Und ein unnennbares Sehnen
Bricht das arme, kranke Herz.

Ferne von der Heißgeliebten
Trauert mit mir die Natur,
Und es schweigt zu meinen Klagen
Bange Wald und Hain und Flur.

Hier, im öden, fremden Lande
Irr' ich trostlos und allein,
Mögte an des Rheines Strande
Bei der Heißgeliebten seyn.

Mögt' mit euch ihr Lüfte eilen,
Mit den lieben Sternen ziehn,
Mögte auf des Adlers Fittig
Zu des Rheines Ufern fliehn.

Tönt es wieder, treue Saiten,
Tönet sanfter meinen Schmerz,
Meine Seufzer, meine Klagen
In der Auserwählten Herz.

Peter von Bohlen

(1796 - 1840), deutscher Orientalist und Dichter

Quelle: Bohlen, Vermischte Gedichte und Uebersetzungen, 1826