Gedicht zum Thema: Bescheidenheit

Wer es kann und wem's genügt,
dass er sich mit dem bescheidet,
ehrsam, biedermannvergnügt,
drauf der Alltag ihn vereidet ...

Wem genügt, was er so kann,
schlecht und recht, wie eben jeder
mit der Zeit sich anübt, sei's ...
sei's mit Pinsel oder Feder ...

Der verträgt sich freilich stets
musterhaft mit allen Tanten,
weiß von guten Leuten nur,
nur von guten Musikanten.

"Ruhe!" rät er "Ruhe, Freund!
Vorsicht, soll das Boot nicht kentern!
unser Kurs war gut bis jetzt,
und wozu, was gut ist, ändern!?

Was auch soll dein trotzig-toll
Strom- und Sturm-entgegen-Segeln?!
lerne lieber endlich Skat
oder komm, eins mit zu kegeln!"

Und der Mann hat ja so recht:
laß dein Mehr-als-andre-Wollen
und begnüge dich damit,
den gebahnten Weg zu trollen.

Dichte, was die Leute freut,
lass dein In-die-Tiefe-Graben!
male, wie du, brauchst du Geld,
wünschen wirst, gemalt zu haben!

Weise denkt, wer also denkt:
voll stets hat er seine Kiepe!
und das ist ja doch der Zweck ...
was die Nachwelt meint, ist – piepe!

Cäsar Flaischlen

(1864 - 1920), Cäsar Otto Hugo Flaischlen, deutscher Schriftsteller, Journalist und Redakteur, Pseudonym Cäsar Stuart

Quelle: Flaischlen, Gedichte. Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens, 1899