Gedicht zum Thema: Tod, tot

Auf den Tod der ungenannten Verfasserin der neuen Volksmährchen

Der Masken Fest verstummt im Büchersaale,
Die Stunde schlug, was mag sie so betrüben?
Sie eilen fort und Staub ist nur geblieben
Von Bildern alter Zeiten bei dem Mahle.

Die Wagen rollend mit dem Fackelstrahle
Durch dunkle Gassen Trauerzeilen schrieben
In Asche, als die letzten Funken trieben
Und nicht, wie erste, aus dem festen Stahle.

Und diese Funken sich zusammenfinden
Beim Haus der Dichterin, am Leichenwagen,
Die Masken ihr als Mutter Kränze winden.

Doch keine kann der Todten Namen sagen!
Die alle reif zur Geistestauf' getragen,
Will selbst auf Erden namenlos verschwinden.

Achim von Arnim

(1781 - 1831), Karl Joachim Friedrich Ludwig, deutscher Dichter der Romantik

Quelle: Arnim, Achim v., Gedichte. Erstdruck in: Abendzeitung, 11.11.1819. Originaltext. Sonett.