Gedicht zum Thema: Herbst

Des Narren Herbstlied

Bunt wie mein Mantel und Kleid
Wird nun die Welt, oh weh.
Lacht mir das Herz im Leib,
Wie ich das seh.

Einst war ich jung und frisch,
Eija, da war ich grün,
Grün wie die Weide, daran
Maikätzchen blühn.

Dann kam die Zeit, die schnitt
Falten ums Maul mir schief.
Grinsen lernte ich da
Und weinte tief.

Trug bald ein bunt Gewand,
Schuppen und Schellen daran,
Wehe, es klirrt, wenn ich spring,
Ich alter Mann.

Holla, ein bunter Narr!
Holla, ein Klimperkleid!
Holla, die Welt wird bunt,
Und ich gescheit.

Lasst mich nun schlafen geh'n,
Legt mich ins Grab hinein!
Über ein Kleines, ach,
Wird Frühling sein.

Otto Julius Bierbaum

(1865 - 1910), auch Martin Möbius, deutscher Lyriker, Romanautor und Herausgeber der Zeitschrift »Pen«

Quelle: Bierbaum, O. J., Gedichte. Irrgarten der Liebe, 1901