Gedicht zum Thema: Frühling

Aus der Vogelperspektive

Die Äcker braun
Und schmutzig die Aun,
Und Streifen Schnees grau über dem Feld!
Es ist, als ob diese tote Erde
Nie mehr zum Blühen erwachen werde,
Und alle Hoffnung begraben hält.

Da plötzlich zieht
Ein Lerchenlied
Empor meinen trüben gesenkten Blick.
Und sieh, die Welt beginnt sich zu weiten,
Die Ängste der flachen Tiefe gleiten
Hinab – hinunter – bleiben zurück –

Und sonnenwärts
Flattert mein Herz,
Wie die Lerche trinkend erlösendes Licht –
Der Frühling wiegt es im Himmelblauen
Und läßt es jubelnd das Leben schauen,
Das unten aus allen Furchen bricht …

A. de Nora

(1864 - 1936), Pseudonym für Anton Alfred Noder, deutscher Arzt und Dichter

Quelle: de Nora, Gedichte. Hochsommer. Neue Gedichte, Leipzig 1912