Gedicht zum Thema: Erde

Wehe der Erde

Die Sterne hängen tiefer denn je
und starren zur Erde in angstvoller Glut.
Sie spiegeln der Menschheit klagendes Weh.
In ihrem Widerschein flackert Blut.
O, schaut nicht nieder auf unsre Schmach,
so ihr von göttlichem Lichte seid.
Des Menschengestirnes Glanz zerbrach,
und unser Göttliches wimmert in Leid.
Krieg heult in die Welt. Es rast der Tod.
Der Schrecken wütet. Die Erde brennt.
Entmenschte Gebete flehn Gott in den Kot ...
O Scham vor den Sternen am Firmament!

Erich Mühsam

(1878 - 1934, ermordet im KZ Oranienburg), dt. Schriftsteller, Anarchist und Pazifist, Hg. der Zeitschriften "Kain" und "Fanal"

Quelle: Mühsam, Gedichte. Brennende Erde, 1920