Gedicht zum Thema: Tod, tot

Des Alten Abschied

Mein Leib ist müd', mein Geist wird stumpf,
Umsonst, daß ich sie labe,
Allüb'rall ruft mir's streng und dumpf:
Zu Grab mit dir, zu Grabe!

Die letzte Kraft ringt niederwärts,
Leb wohl, du schönes Leben,
Leb wohl, du reiches Menschenherz,
Das oft mir Lust gegeben.

Leb wohl, Natur, du göttlich Bild,
Du beste aller Wiegen,
Du Brust, von ew'ger Lieb erfüllt,
An der die Menschen liegen.

Leb wohl, o Kunst, die herrlich kränzt
Am Ziel des hohen Strebens,
Die, eine geist'ge Sonne, glänzt
In's Zweifelmeer des Lebens.

Herr, nimm denn hin mich welkes Laub,
Und birg mich in die Erde,
Und gib, daß einst aus meinem Staub
Ein duftig Heilkraut werde.

Karl Egon Ebert

(1801 - 1882), deutsch-böhmischer Dichter

Quelle: Ebert, Karl Egon, Gedichte. Natur und Liebe, J.G.Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Tübingen 1845