Gedicht zum Thema: Recht

XLIX

Für jene Zeit – o wär sie abzuwenden! –
wo alle meine Fehler dich verdrießen,
und wo du ließest deine Liebe enden
und Klugheit deines Herzens Rechnung schließen,

für jene Zeit, wo du mir gehst vorbei,
die Sonne deiner Augen kaum mich grüßt,
daß kalte Würde an der Stelle sei,
wo letzte Glut des Herzens eingebüßt –

für jene Zeit erhalt ich mir Bestand,
bereit, was mir gebühre, zu erkennen,
und, wider mich erhebend meine Hand,
die Sache, die du führst, gerecht zu nennen.

Brichst du den Bund, so ist’s nicht anzufechten;
das Recht der Liebe ruht ja nicht auf Rechten.

William Shakespeare

(1564 - 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Quelle: Kraus, Shakespeares Sonette [1609]. Nachdichtung, Verlag Die Fackel Wien Leipzig, 1933